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Lhasa Apso von Siro-Shan

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Geschichte und Herkunft

 

 

Bereits 800 v. Chr. - also fast gleichzeitig mit dem Aufkommen des Buddhismus in Tibet um 632 v. Chr. - werden Lhasa Apsos in alten tibetischen Klosterschriften erwähnt. Damit zählen sie zu den ältesten Rassen der Welt. Sie wurden in den Klöstern des Landes und an den Höfen der Adeligen in privilegierter Stellung als Glücksbringer gehalten und von den Tibetern "little people" (kleine Menschen) genannt. Die Manchu-Kaiser eroberten Tibet im Jahre 1645 und förderten den Lamaismus, den tibetischen Buddhismus. Nach buddhistischem Glauben hat der Hund eine Seele und ist für eine sehr enge Beziehung zum Menschen prädestiniert. Für Tibeter besteht kein spiritueller Unterschied zwischen Mensch und Hund, denn sie glauben, daß die Seele des Menschen in der Erscheinung des Hundes wiedergeboren wird. Darstellungen des Lhasa Apso als stilisierter Löwe "Buddhas" finden sich in heiligen religiösen Schriften, in Skulpturen und Rollgemälden. Er ist wohl der einzige echte tibetische Löwenhund.

 

Tibet, das Dach der Welt, liegt auf einem von höchsten Bergen umgebenen Hochplateau auf 3500 bis 5000 m Höhe. Ein extremes Klima mit eisigen Wintern und kurzen, heißen Sommern prägen dieses Land, seine tiefreligiösen Menschen und Tiere. Ein theokratisches System, an dessen Spitze ein Gottkönig, der Dalai Lama, stand, integrierte den Buddhismus in alle Bereiche des Lebens.

Einzelne Reisende, die Tibet vor 1800 besuchen konnten, berichteten von goldfarbenen, ganz mit langen Haaren bedeckten kleinen Hunden. Mit Beginn des 20. Jahrhunderts öffnete sich das Land zögernd westlichen Besuchern und so gelangten vereinzelt Tiere auf langen Reisen über Europa nach Nordamerika. Gesandte am Hofe des Dalai Lama oder ausländische Würdenträger erhielten Lhasa Apsos als Geschenk, denn dieser tibetische Glücksbringer wurde niemals verkauft. Seine privilegierte Stellung mit engstem Bezug zu den Menschen mit denen er lebte prägten sein ausgesprochen stolzes Wesen. Er ist ein selbstbewußter, intelligenter und höchst eigenwilliger kleiner Hund.

 

Die Bezeichnung "Apso" scheint in Tibet in Verbindung mit mehreren Hunde-rassen verwendet worden zu sein. Sie bezieht sich auf ein Wesen, das ganz mit dichtem langem, ziegenhaarähnlichem (wie in "rapso) Haar bedeckt ist. Der Lhasa Apso wurde in Tibet Apso Seng Kyi genannt, was soviel wie "langhaariger bellender Wächter" bedeutet.

 

 

Der Lhasa Apso im Westen

 

Aufzeichnungen über den Lhasa Apso werden vom British Kennel Club seit 1900 gemacht, vom Canadian Kennel Club seit 1920 und vom American Kennel Club seit 1930.

 

Anfang des Jahrhunderts kamen durch die Younghusband-Expedition die ersten Hunde in den Westen. 1901 erhielt Ms. Marjorie Wild in Großbritannien ihren ersten Lhasa aus Darjeeling, Indien. Der 1. Lhasa Apso Champion, Ch. Rupso, war 1907 als Geschenk aus Shigatse in Tibet mitgebracht worden und wurde nach seinem Tode im British Museum ausgestellt. Colonel und Mrs. Bailey brachten 1928 einige Lhasas aus Tibet mit. Sie waren die ersten, die die Rasse als Lhasa Terrier in England registrieren ließen. Mrs. Bailey hinterließ Aufzeichnungen in Dogs from the Roof of the World über alle tibetischen Rassen, die sie während ihres 7 Jahre währenden Aufenthalts in Tibet (1921 - 1928) kennengelernt hatten.

 

Unter den ersten Lhasa Apsos in den Vereinigten Staaten waren jene, die Mr. und Mrs. Suydam Cutting vom 13. Dalai Lama auf ihren vielen Reisen nach Tibet in den Jahren 1930 und 1935 erhalten hatten. Ihre Aufzeichnungen sind in dem Buch The Fire Ox and Other Years festgehalten. Mr. Cutting führte eine ausgedehnte freundschaftliche Korrespondenz mit dem 13. Dalai Lama, welcher ihm folgendes schrieb: "Ich schicke Ihnen zwei Hunde über Kalimpong. Bitte kümmern Sie sie bestens um sie, sobald Sie sie erhalten. Datum: 7. Tag des 1. Tibetischen Monats im Jahr des Wasservogels (1933). Kurze Zeit später erhielt Mr. Cutting noch drei weitere Hunde vom 13. Dalai Lama, der kurz danach verstarb.

 

1937 begleitete Mrs. Cutting ihren Mann auf seiner 3. Reise nach Lhasa, wo sie mit dem tibetischen Regenten, Re-ting Po gya tsap Rimpoche - dem obersten tibetischen Lama zusammentrafen. Beim Auseinandergehen sagte der Regent Mrs. Cutting zwei weitere Lhasa Apsos zu. Die Cuttings hatten vom 13. Dalai Lama insgesamt fünf Hunde erhalten und mit ihnen auf ihrer "Hamilton Farm" in New Jersey eine erfolgreiche Zucht begonnen. Diese Lhasa Apsos waren von rein tibetischem Blut, hauptsächlich gold- oder löwenfarbig, blau-grau oder schwarz.

 

1950 kam aus Tibet als Geschenk des 14. Dalai Lamas ein weiteres Lhasa Apso Pärchen hinzu, die beide amerikanische Champions wurden. Die Lhasas aus Tibet waren der Grundstock für die Zucht der berühmten Hamilton Farms in New Jersey und finden sich heute als sehr alte Linien in vielen Stammbäumen von Lhasa Apsos in aller Welt.

 

 

Gegenwart

 

Bis in die jüngere Zeit waren Lhasa Apsos eine eher seltene Rasse, die an der Seite von Persönlichkeiten oder Stars wie Errol Flynn, Peggy Guggenheim und Liz Taylor als eine Art Status Symbol anzutreffen waren.

 

Aber langsam erobern sie sich eine immer größere Schar von Liebhabern, die mit dieser alten und sehr robusten Rasse viel Freude haben. In Deutschland wird der Lhasa Apso seit dem 2. Weltkrieg von wenigen Züchtern unter der Obhut des VDH gezüchtet. Dieses kapriziöse Wesen mit seiner löwenhaften Erscheinung erobert schnell die Herzen der Menschen, die mit ihm Kontakt haben. Niemals ist er zu einem Modehund degradiert worden und hat dadurch seinen urwüchsigen und außergewöhnlichen Charakter bis in die heute Zeit bewahren können.

 

 

Erscheinung

 

Der Lhasa Apso ist ein gut ausbalancierter, kräftiger, langhaariger kleiner Hund. Sein Fell ist doppelschichtig mit festem glatten Oberhaar und reichlicher Unterwolle, die als Schutz gegen die extremen Temperaturunterschiede in seinem Heimatland dienten. Dieses wunderschöne dichte Haarkleid macht einen Teil der anmutigen Schönheit dieser wunderbaren Rasse aus. Mit dem ständig wechselnden Farbenspiel seines Haarkleides ist er ein kleines Chamäleon und jedesmal eine einmalige Ausgabe seiner Gattung.

 

Seine Größe liegt zwischen 24 - 28 cm Widerristhöhe, das Gewicht schwankt zwischen 5 und 9 kg. Damit ist der Lhasa Apso ein idealer Reisebegleiter, der im PKW oder Zug, oder im Flugzeug, wo er wegen seiner geringen Größe mit in die Kabine darf, ein unkomplizierter Begleiter ist. Er kann überall mit hingenommen werden, da ihn sein Gespür für Diskretion sowohl in Restaurants, Hotels wie auf dem Campingplatz als klugen und ruhigen Vertreter seiner Gattung auszeichnet


Als Mitglied einer Familie ist er überaus angenehm. Er ist sehr anhänglich, kinderlieb und anderen Tieren gegenüber tolerant, wenn er von einem verantwortungsvollen Züchter aufgezogen worden ist. Fremden gegenüber ist er sehr zurückhaltend, denn er lebt in ganz engem Kontakt mit seinem Menschen oder seiner Familie, mit denen er auf "telepathischer Ebene" verbunden ist. Seine tibetische Herkunft, die Haltung in privilegierter Stellung in den Klöstern und Höfen der Adeligen haben ihn zu einem stolzen und selbstbewußten kleinen Wesen gemacht, mit ausgeprägtem Gespür für Situationen. Er ist sehr wachsam, ohne ein Kläffer zu sein, ein guter Wächter für Haus und Garten. Dann wiederum kann er ein kleiner Kobold und ein ausgeprägter Schauspieler mit komödiantischem Talent sein, der sich in Szene zu setzen versteht. Auf Celluloid verewigt wurde er bereits fliegende Fabelwesen in dem Film Die Unendliche Geschichte.

 

Ein Lhasa Apso eignet sich als ausgelassener, fröhlicher Spielgefährte von Kindern, mit denen er mit wehenden Haaren herumtobt, ebenso wie als Freund eines älteren Menschen, der seinen täglichen Spaziergang durch den Park macht. Naturliebhaber schätzen ihn als ausdauernden und robusten Begleiter auf ausgedehnten Wanderungen oder Bergtouren. Immer will er Freund seines Menschen in allen Lebenslagen sein, er braucht den engen Kontakt zu ihm, um nicht seelisch zu verkümmern. Seine außergewöhnliche Flexibilität erleichtert ihm die Anpassung an die ungewöhnlichsten Lebensformen oder Situationen. Wem er sein Vertrauen schenkt, dem hält er ein Leben lang die Treue. Er kennt jedoch keine Unterwürfigkeit und mit Gewalt kann man bei ihm nichts erreichen.